|
Wenn ein Satz zur neuen Selbstbeschreibung wird Immer häufiger höre ich Menschen sagen: „Mein Nervensystem ist überlastet.“ Der Satz wirkt vertraut, fast selbstverständlich. Viele sprechen ihn mit einem Gefühl von Erleichterung aus, weil er etwas erklärt, was lange schwer greifbar war. Doch hinter dieser Aussage verbrigt sich eine tiefere Frage: Wer ist eigentlich derjenige, der das beobachtet? Die Forschung rund um Trauma, Regulation und Körperwahrnehmung hat uns tatsächlich ein wichtiges Verständnis geschenkt. Unser Nervensystem reagiert sensibel auf das Leben, das wir führen. Es registriert Spannung, Kontakt, Tempo und Sicherheit. Es ist ein feines Wahrnehmungsorgan unseres gesamten inneren Erlebens. Gleichzeitig hat sich etwas verschoben. Aus einem hilfreichen Verständnis wird manchmal eine neue Selbstbeschreibung. Der Satz „mein Nervensystem ist überlastet“ beginnt dann, mehr zu bedeuten als eine momentane Erfahrung. Er wird zu einer Erklärung für das eigene Befinden, für Entscheidungen, für Grenzen des eigenen Handlungsspielraums. Das Nervensystem rückt damit immer stärker in den Mittelpunkt unseres Selbstbildes. Mir fällt dabei etwas auf. In diesem Satz steckt bereits eine kleine Distanz. Mein Nervensystem. Es gehört zu mir, so wie mein Körper, mein Atem oder mein Herzschlag. Und genau darin liegt eine stille Erinnerung: Wir besitzen ein Nervensystem, doch unsere Identität reicht weiter als dieses eine System in uns. Gerade in Zeiten, in denen vieles gleichzeitig in Bewegung gerät, taucht dieser Satz besonders häufig auf. Auch ich ertappe mich manchmal dabei, ihn auszusprechen und darüber zu lächeln. Das Leben wird dichter, Entscheidungen stehen im Raum, Themen melden sich wieder. Der Körper reagiert darauf sehr direkt. Wachheit, Spannung und Sensibilität zeigen sich deutlicher. In solchen Momenten wirkt es zunächst beruhigend, alles auf das Nervensystem zu beziehen. Und doch öffnet sich hier eine größere Frage. Wer ist eigentlich derjenige, der bemerkt, dass das Nervensystem gerade viel erlebt? Wer nimmt diese innere Bewegung wahr? Schon diese kleine Verschiebung im Blick verändert etwas. Sie erinnert daran, dass unser Nervensystem ein Teil unseres Erlebens ist – ein wichtiger, empfindsamer Teil – und gleichzeitig eingebettet in ein größeres Feld von Bewusstsein, Wahrnehmung und Leben. Herzfeuer Retreat - Remember
Herzfeuer ist ein intensiver Praxisraum für Herzöffnung und innere Klarheit. Glowing Heart Breath bildet dabei den verkörperten Zugang. Wenn Zustände zu Identität werden
Sobald wir beginnen, über unser Nervensystem zu sprechen, entsteht leicht eine neue Form der Identifikation. Der Zustand bekommt einen Namen, und dieser Name wird schnell zu einer Erklärung für das eigene Erleben. Das kann zunächst entlastend wirken. Etwas wird verständlich, ein innerer Zustand bekommt Worte. Mit etwas Abstand lässt sich jedoch eine interessante Bewegung beobachten. Der Satz „mein Nervensystem ist überlastet“ beschreibt eine Erfahrung – und zugleich entsteht darin die Tendenz, sich mit diesem Zustand zu verbinden. Genau hier lohnt sich ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit. Denn schon die Formulierung enthält eine feine Erinnerung. Es gibt ein Nervensystem, das reagiert, fühlt und verarbeitet. Und gleichzeitig gibt es eine Instanz in uns, die all das wahrnimmt. Dieser innere Beobachter öffnet einen Raum, in dem Zustände kommen und gehen dürfen, ohne zur eigenen Identität zu werden. Feuerpferdzeit als Einladung zur inneren Beobachtung Gerade in der Zeit des Feuerpferds kommen viele Themen deutlicher an die Oberfläche. Bewegung, Klärung und innere Spannungen zeigen sich oft intensiver als gewohnt. Das kann sich im Körper bemerkbar machen, im Nervensystem, in Gedanken oder im emotionalen Erleben. Solche Phasen laden dazu ein, einen Schritt zurückzutreten und wahrzunehmen, was sich zeigt. Nicht alles, was sich bewegt, braucht sofort eine Erklärung. Manchmal genügt es, präsent zu bleiben und dem inneren Erleben Raum zu geben. In diesem Raum entsteht häufig eine neue Form von Klarheit. Für viele Menschen entsteht genau hier der Wunsch nach einem gehaltenen Praxisraum. Räume, in denen Herzöffnung, Verkörperung und innere Ruhe erfahrbar werden dürfen. Hinweise zur Neuorientierung für Frauen, zum Herzfeuer Bewusstseinsraum auf Patreon und zu weiteren Praxisangeboten findest du in den verlinkten Bereichen. |
ashram blog
Gedanken, Impulse und Erfahrungen aus meinem Weg und meiner Arbeit seit 2008. Themen
Alle
Archiv
April 2026
|